Drei Meetingrekorde durch Gesa Krause, Selina Büchel und die Juniorinnen-Nationalstaffel

(frka) Zu Beginn war es noch etwas kühl und bewölkt, doch rechtzeitig zum Hauptprogramm strahlte die Sonne kräftig über dem Schönbuchstadion. Passend dazu die sportlichen Leistungen auf der Bahn: drei neue Meetingrekorde sowie ein Deutscher Rekord wurden verzeichnet. Insgesamt waren 490 Athletinnen Athleten aus 19 Nationen ins Schönbuchstadion gekommen, um ihre Form auf den krummen Strecken zu testen. Und gleich zu Beginn gab es schnelle Zeiten im Sprint.

4x100 Meter: Meetingrekord der U20-Juniorinnenstaffel - Juniorenstaffel knapp am Rekord vorbei

Das Mädels-Sprintquartett strahlt nach famosem Rennen um die Wette (Foto: wdr)

Die Nationalteams der Junioren und Juniorinnen zeigten sich in einer tollen Frühform und Bundestrainer Alexander Seeger war sehr zufrieden. Für die Überraschung sorgte das U20-Quartett der DLV-Junioren: in 39,82 Sekunden waren Roger Gurski, Kai Köllmann, Fabian Netzlaff und Simon Schütz nicht weit entfernt vom Meetingrekord (39,11 Sekunden) – immerhin liefen diesen Rekord die ehemaligen Aktiven des deutschen Nationalteams und darunter waren namhafte Sprinter wie Marc Blume und Alexander Kosenkow.

 

Die DLV-Juniorinnen verbesserten ihren eigenen Meetingrekord um fast eine Sekunde. Der neue Meetingrekord steht nun bei sehr guten 43,82 Sekunden. Damit unterboten Lisa-Marie Kwayie, Lisa Mayer, Gina Lückenkemper und Chantal Butzek die Norm für die U20-Europameisterschaften in Schweden um fast zwei Sekunden! 2014 liefen die jungen Damen zur Bronzemedaille bei der U20-WM in Eugene/USA. Wird das herausragende Rennen in Pliezhausen erneut ein gutes Omen für internationale Topleistungen sein?

100 Meter und 200 Meter: Duell der Paralympics-Medaillengewinnerinnen

Spannender Zieleinlauf: Katrina Hart (rechts) gewinnt vor Maria Seifert (mitte). (Foto: Grundler)

Exklusiv war das Startfeld bei den Damen über 100 Meter. Vier Medaillengewinnerinnen der Paralympics in London 2012 traten gegeneinander an: Katrina Hart aus England (Bronze Paralympics über 4x100 Meter) war in 14,41 Sekunden die schnellste der spastisch beeinträchtigten Damen und machte sich damit selbst ein Geburtstagsgeschenk. Auf Platz zwei folgte die Bronzemedaillengewinnerin der Paralympics in London, Maria Seifert in 14,45 Sekunden vor Claudia Nicoleitzik in 14,99 Sekunden.

300 Meter Hürden: Tübingerin Jackie Baumann fordert Deutsche Meisterin Christiane Klopsch

Jackie Baumann schlägt Christiane Klopsch in einem knappen Finish. (Foto: wdr)

Der Wind in der Kurve verwehrte den Hürdenläuferinnen im ersten Lauf eine schnelle Zeit. Dafür duellierte sich die Halbfinalistin der U20-WM 2014, Jackie Baumann (LAV Stadtwerke Tübingen), mit der amtierenden Deutschen Meisterin Christiane Klopsch (LG OVAG Friedberg-Fauerbach). Und ihr gelang der Überraschungssieg in 40,8 Sekunden vor Luisa Valeske (SV schlau.com Saar 05 Saarbrücken) und Christiane Klopsch. Kurios: Die ersten drei Damen liefen allesamt die gleiche Zeit! „Christiane Klopsch ist eine Hausnummer in Deutschland. Auch wenn der Lauf aufgrund des Windes nicht so schnell war, habe ich ein gutes Rennen gezeigt“, freute sich die Tochter von Dieter Baumann. Über die 400 Meter Hürden ist die U23-Europameisterschaft im estnischen Tallinn ihr Saisonhöhepunkt 2015.

Doch Klopsch konterte und lieferte im zweiten Lauf 39,8 Sekunden ab. Damit besiegte die EM-Neunte von Zürich 2014 die EM-Achte Joanna Linkiewics aus Polen. So war sie letztendlich die glückliche Siegerin dieser Disziplin.

Vor der deutschen Konkurrenz: Felix Franz (Foto: wdr)

Bei den Männern lag Felix Franz (LG Neckar Enz) als Sieger des ersten Zeitlaufes in 36,4 Sekunden knapp vor Georg Fleischhauer (LG Eintracht Frankfurt), der den zweiten Zeitlauf in 36,5 Sekunden für sich entscheiden konnte. Im zweiten Lauf war sein Gegner der Pole Rafal Omelko, der erst in diesem Jahr von den 400 Metern auf die Hürden umgestiegen ist und in 35,9 Sekunden einen tollen Einstand absolvierte. Franz folgte als Zweiter in 36,7 Sekunden.

600 Meter: Meetingrekord wird im Duell Büchel-Hering pulverisiert

Highlight: Hallen-Europameisterin Selina Büchel schlägt die Deutsche Meisterin Christina Hering in Meeting-Rekordzeit. (Foto: wdr)

Es war angekündigt als Duell zweier Topläuferinnen. Die Hallen-Europameisterin Selina Büchel (Schweiz) und die amtierende Deutsche Meisterin Christina Hering (LG Stadtwerke München) hielten Wort. Der Meetingrekord aus dem Jahr 2014 stand bei 1:26,10 Minuten und bereits nach der ersten Runde war klar, dass dieser fallen würde. Letztendlich schlug Selina Büchel in einem packenden Spurtduell auf der Zielgeraden in neuer Rekordzeit von 1:25,45 Minuten nur knapp Christina Hering, die sich gegenüber ihrem Auftritt vom Vorjahr um über eine Sekunde auf 1:25,73 Minuten verbessert. „Nun will ich zur WM nach Peking und heuer versuchen die 800 Meter erstmals unter 2 Minuten zu laufen“, erklärte Büchel. Auch Christina Hering war sehr zufrieden mit dem Rennen: Jetzt kann die U23-EM in Tallinn kommen“, zeigte sie sich selbstbewusst und angriffslustig. Sie hat Freude an Konkurrenz:“ Es ist unheimlich motivierend gegen eine Europameisterin zu laufen und so lange mitzuhalten“.

1000 Meter: Timo Benitz wird Dritter über 1000 Meter

Abdi Uya Hundessa düpiert die Konkurrenz über 100 Meter. (Foto: wdr)

Ab einem gewissen Leistungsniveau zählt die Tagesform im Duell Mann gegen Mann. Über 1000 Meter waren drei deutsche Topläufer am Start: Meetingrekordhalter Timo Benitz (LG farbtex Nordschwarzwald), Sebastian Keiner (Erfurter LAC) und Sören Ludolph (LG Braunschweig). Und alle liefen dicht im Feld zusammen bis es auf den letzten 300 Metern „zur Sache ging“. Der Deutsche Meister über 1500 Meter versuchte alles um seinen Vorjahressieg zu wiederholen. Doch heuer gab es einen Überraschungssieger: Abdi Uya Hundesa (LG Lahn-Aar-Esterau) siegte in 2:20,84 Minuten vor Sebastian Keiner (2:21,52 Minuten) und Timo Benitz (2:21,87 Minuten).

Bei den Damen setzte sich Johanna Christine Schulz (SC Rönnau 74) in 2:43,38 Minuten gegen Lokalmatadorin Kerstin Marxen (TSV Gomaringen, 2:45,81 Minuten) durch.

3000 Meter: Der Auftritt der Doppelweltmeisterin

Sieger mit bekanntem Namen: Der 18-jährige Eritreer Merhawi Ghebreselasie gewinnt über 3000 Meter mit starkem Schlusskilometer. (Foto: wdr)

Auf ihren Auftritt hatte man gewartet: Die zweifache Weltmeisterin und Olympiadritte von London 2012 über 1500 Meter: Maryam Yusuf Jamal kam direkt aus dem Trainingslager im amerikanischen Flagstaff und lief ein Solorennen über 3000 Meter, das sie in 9:11,07 Minuten beendete. Dahinter lief eines der größten deutschen Nachwuchstalente in 9:25,99 Minuten ins Ziel: die 19-jährige Konstanze Klosterhalfen vom TSV Bayer-Leverkusen.

Bei den Männern liefen seit Jahren wieder drei Läufer unter die 8-Minuten-Grenze: Der 18-jährige Merhawi Ghebreselasie aus Eritrea siegte in 7:56,66 Minuten vor dem Niederländer Dennis Licht

(7:57,97 Minuten) und dem überraschend stark laufenden Deutschen Martin Sperlich (VfB LC Friedrichshafen).

Gesa Felicitas Krause läuft im Alleingang zum Meetingrekord

Gesa Felicita Krause knackt im Alleingang den Meeting-Rekord und inoffiziellen Deutschen Rekord von Europameisterin Antje Möldner. (Foto: wdr)

Die Olympia-Achte von London 2012 und U23-Europameisterin machte von Beginn an Tempo und keine andere Läuferin konnte ihr folgen. Im Fokus hatte die Frankfurterin den Meetingrekord von ihrer stärksten nationalen Konkurrentin Antje Möldner, der amtierenden Europameisterin. 6:15,90 Minuten waren zu unterbieten. Dank einer schnellen Schlussrunde fiel der Rekord: Krause war in 6:15,52 Minuten die strahlende Siegerin. Damit verbesserte sie gleichzeitig auch den inoffiziellen Deutschen Rekord! Ihr Weg wird hoffentlich von Pliezhausen zur WM nach Peking führen – die ersten Hindernisse sind nun erfolgreich bewältigt.


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