12.05.2017

Jackie Baumann tritt gegen die europäische Spitze an

Spannend wird es nicht nur über die Hürden mit Lokalmatadorin Jackie Baumann.

PLIEZHAUSEN (frka) Pliezhausen ist ein gutes Omen unter Europas Top-Leichtathleten. Wer beim Meeting der krummen Strecken eine gute Leistung erbringt, hat in der folgenden Bahnsaison auch bei nationalen und internationalen Großereignissen Erfolg. Meistens jedenfalls. Eine Garantie dafür gibt's natürlich nicht!

 

Eine dieser Athletinnen ist Jackie Baumann (LAV Stadtwerke Tübingen). Die Hürdenläuferin ist amtierende Deutsche Meisterin über 400 Meter Hürden und nahm im Jahr 2016 an den Europameisterschaften und an den Olympischen Spielen teil. Ihren Saisoneinstieg wählte sie über 300 Meter Hürden in Pliezhausen. Nach ihrem Top-Jahr 2016 will sie auch 2017 international erneut erfolgreich sein. Oberste Priorität: die U23-Europameisterschaften im polnischen Bydgoszcsz: „Dort kann eine Finalteilnahme oder sogar noch mehr möglich sein. 2016 habe ich viel lernen müssen. Ich möchte mir nicht vom ersten Rennen an den Druck machen, die Norm laufen zu müssen. Aber wenn die Junioren-EM so verläuft, wie ich es mir erhoffe, kann die Norm für die Weltmeisterschaften in London durchaus fallen“, zeigt sie sich selbstbewusst und locker zugleich.

Sondern die Zuschauer dürfen sich auch wieder über packende Staffelwechsel bei Männern...

Konzentration auf die eigene Performance

Ihre aktuelle Bestzeit über 400 Meter Hürden liegt bei 56,19 Sekunden, die Qualifikationsnorm des DLV für die WM steht bei 56,00 Sekunden. „Aus dem Jahr 2016, als ich mich zum ersten Mal auf internationaler Topebene beweisen musste, habe ich viel gelernt. Ich konzentriere mich auf mich und auf meine Performance, auch wenn ich im Rennen manchmal mit Gegnerinnen konfrontiert bin, gegen die ich wenig Chancen habe“, erklärt die junge Leistungssportlerin. Eine Gelegenheit, genau dies zu üben, ergibt sich am Sonntag um die Mittagszeit.

 

Dann tritt Jackie Baumann über 300 Meter Hürden gegen die Polin Joanna Linkiewics (Silbermedaille Europameisterschaften 2016) und die Schweizerin Lea Sprunger an, die vergangenes Jahr bei den Europameisterschaften die Bronzemedaille gewann. Jackie Baumann aber ist fokussiert: "Die ersten 200 Meter mache ich mein Ding, schaue, dass ich in einem guten Rhythmus über jede Hürde komme – ohne großen Tempoverlust. Und dann schaue ich hinten raus, was noch geht in diesem Rennen. Starke Gegnerinnen helfen mir eine gute Zeit zu laufen“.

...ein Top-Duell der Frauen über 600 Meter: Hering (Startnummer 3) gegen Büchel (Startnummer 2)...

"Habe das Potenzial nicht umsetzen können"

Ein talentierter junger Hürdenläufer aus Baden Württemberg ist auch Felix Franz von der LG Neckar-Enz. Bereits mit 21 Jahren wurde er 2014 Deutscher Meister und Fünfter bei den Europameisterschaften, seine Bestzeit von 48,96 Sekunden in diesem Alter „zeigt, dass ich das Potential habe, in die Weltspitze vorzustoßen“.

Im Jahr 2016 wurde er erneut Deutscher Meister, verpasste die Olympianorm aber. „Sportlich sehe ich das Potenzial, konnte es aber in den vergangenen zwei Jahren nicht umsetzen. Ich hatte keine stabile Gesundheit, diese ist aber Grundvoraussetzung für jede weitere Entwicklung im Leistungssport“, erklärt er. Übermorgen wird er über die 300 Meter Hürden gegen seinen stärksten nationalen Konkurrenten Georg Fleischhauer (LG Eintracht Frankfurt) antreten.

 

Ein weiteres absolutes Top-Duell ist der 600-Meter-Lauf der Frauen. Hier tritt Halleneuropameisterin (800 Meter) Selina Büchel (Schweiz) gegen die deutsche Topläuferin Christine Hering (LG Stadtwerke München) an. Büchel will den Schweizer Rekord und den Meetingrekord angreifen und darf hierbei auf die Unterstützung von Nationalmannschafts-Kollegin Lea Sprunger zählen, die als Pacemakerin mit im Rennen ist.

...Meetingrekordhalter Timo Benitz...

Meetingrekordhalter gegen polnischen Rekordhalter

Über 1000 Meter der Männer verspricht das Duell des Meetingrekordhalters Timo Benitz (LG farbtex Nordschwarzwald) gegen den polnischen Rekordhalter über 1500 Meter, Artur Ostrowoski, ein hochklassiges Rennen.

 

„Insgesamt können wir in der Spitze der Felder eine hohe Leistungsdichte vorweisen. Mit 600 Voranmeldungen aus 16 Nationen können wir uns auch 2016 über ein starkes Meldeergebnis freuen“, zeigt sich Meetingchef Thomas Jeggle zufrieden mit dem aktuellen Stand der Vorbereitungen.

 

Einziger „Wermutstropfen“: trotz der wirtschaftlichen Leistungsstärke der Region sei der finanzielle Support für den Spitzensport in der Region nicht ausreichend. „Dagegen erfahren wir von der Gemeinde Pliezhausen eine großzügige Unterstützung“. So bleibt der ausrichtende Verein LV Pliezhausen 2012 bescheiden, was den Etat angeht: alle 150 Helfer sind ehrenamtlich engagiert, die Topathleten verzichten auf Antrittsgelder. „Sie kommen vor allem aufgrund der sportlichen Qualität und der guten Organisation. Geld spielt hier keine Rolle unter den Athleten“, erklärt Jeggle den gewissen „Sonderstatus“ seines Meetings unter Europas Topathleten.

...und Staffel-Feeling auch bei den Frauen freuen. (Fotos: wdr)

Ein gemeinsames Projekt, das den Verein zusammen hält

„Das Pliezhäuser Läufermeeting hat eine wichtige Funktion – so ein gemeinsames Projekt hält den Verein zusammen und das Meeting hat eine wichtige Außenwirkung für die Region“, fügt Ulrich Schneider, Vorsitzender des LV Pliezhausen, hinzu. Und die Ideen gehen den Pliezhäuser Leichtathleten nicht aus. „2018 haben wir vom DLV den Zuschlag für die Deutschen Langstreckenmeisterschaften über 10 000 Meter und 5000 Meter bekommen. Das könnte man eventuell mit dem Meeting verbinden. Eine DM wäre für den Sport in der Region ein positiver Impuls. Aber nun sehen wir mit Vorfreude zunächst dem Läufermeeting 2017 entgegen!“

 

Freuen dürfen sich Zuschauer und Athleten auf hochklassige Wettbewerbe, einige Topleistungen und eine tolle Stimmung beim Meeting der krummen Strecken in Pliezhausen!


[«zurück]