Timo Benitz und Christina Hering setzten sich auf den Mittelstrecken durch

PLIEZHAUSEN (frka) – Spannende Duelle auf den Mittelstrecken haben das diesjährige Pliezhäuser Meeting geprägt. Erfreulicherweise setzten sich zwei deutsche Athleten durch. Auch die Lokalmatadoren Stefan Hettich (Gomaringen), Jackie Baumann (Tübingen) und der Schorndorfer Marcel Fehr konnten mit Platzierungen auf dem Treppchen und ansprechenden Leistungen auf sich aufmerksam machen.

Christina Hering bezwingt Halleneuropameisterin Selina Büchel

Christina Hering (Startnummer 2) auf dem Weg zum Sieg über 600 Meter. (Foto: mar)

Für eine Überraschung sorgten die A-Läufe über 600 Meter der Männer und Frauen. Im strömenden Regen setzte sich die mehrfache deutsche Meisterin über 800 Meter, Christina Hering, auf der Zielgeraden souverän in 1:27,68 Minuten gegen Jana Reinert (LG Region Karlsruhe, 1:28,63 Minuten) sowie die amtierende Halleneuropameisterin Selina Büchel aus der Schweiz (1:28,81 Minuten) durch. Bei den Männern war Tony van Diepen aus den Niederlanden der lachende Dritte. In 1:16,57 Minuten war er von Beginn an klar führend und freute sich über den Meetingsieg – erwartet worden war eigentlich ein Duell zwischen dem Deutschen Hallenmeister Robert Farken und dem Polen Artur Kuciapski, die auf den Plätzen zwei (1:17,58 Minuten) und drei (1:18,11 Minuten) einliefen. „Das war Bestzeit für mich, eine tolle Zeit“, erklärte er vor Freude strahlend im Ziel. Und auch die Atmosphäre des Pliezhäuser Meetings bewertete er sehr positiv: „Den Regen könnt ihr nicht kontrollieren – sonst war es super hier“. Nun möchte er sein nächstes großes Saisonziel angehen und über 800 Meter eine 1:45er Zeit laufen.

1000 Meter-Meetingrekordhalter Timo Benitz siegt in einem taktisch geprägten Finale

Timo Benitz (Startnummer 3, gelbes Trikot, Bildmitte) schafft das Pliezhausen-Triple. (Foto: mar)

Bei strömendem Regen waren die Rennen über 1000 Meter stark von Zweikämpfen und taktischen Spielchen geprägt. Bei den Frauen hielt Charline Mathias aus Luxemburg vom Start weg ihre dicht hinter ihr liegenden Konkurrentinnen in Schach und wurde mit dem Sieg in 2:42,98 Minuten belohnt.

Bei den Männern war der Ausgang des Rennens lange offen, bis sich Timo Benitz mit einem starken Schlussspurt durchsetzte – der amtierende Meetingrekordhalter siegte in 2:21,99 Minuten. Baptiste Mischler (Frankreich, 2:22,35 Minuten) und Pascal Kleyer (LG Region Karlsruhe, 2:22,88 Minuten) kamen auf die Plätze zwei und drei. „Mein einziges Ziel war es, hier das dritte Mal zu gewinnen. Es war zeitweise ganz schön zäh, aber am Ende des Rennens konnte ich mich auf meine Qualitäten verlassen“, freute sich der Mittelstreckler über seinen dritten Erfolg nach 2014 und 2016.

EM-Norm für Nationalstaffel der Juniorinnen im zweiten Versuch nach Wechselfehler

Gruppenbild mit Maskottchen: Die Staffelläuferinnen der DLV-Juniorenstaffel nehmen Bärty in ihre Mitte. (Foto: kön)

Die DLV U20-Juniorinnen hatten sich die EM-Qualifikation von 47,50 Sekunden als Ziel gesetzt. Leider verlief der erste Lauf nicht nach Wunsch – beide DLV-Staffeln kamen nach einem Wechselfehler nicht ins Ziel. Damit war klar: Es bleibt noch eine Chance für die Norm. Hellwach und fokussiert zeigten sich die erste DLV-Staffel mit Katrin Fehm, Keshia Kwadwo, Sophia Junk und Jennifer Montag im zweiten Lauf. Ohne Wechselfehler unterboten sie die Norm in 44,11 Sekunden souverän und dürfen somit bei der Junioren-EM in Italien für Deutschland an den Start gehen. „Die Anspannung war nach dem verpatzten ersten Lauf extrem hoch. Ich war sehr erleichtert, als ich das Staffelholz beim zweiten Lauf in der Hand halten konnte“, beschreibt Sophia Junk ihre Emotionen während des zweiten Laufes. Insgesamt war das Quartett aber sehr zufrieden mit dieser Leistung. „Das ist eine sehr erfreuliche Zeit“, lobte auch Bundestrainer Alexander Seeger seine Schützlinge. „Damit gibt es für uns nur ein Ziel – den Europameistertitel“.

Marcel Fehr setzt sich gegen den Gomaringer Stefan Hettich durch

Im 3000-Meter-Rennen der Frauen war die Polin Mathilda Koval nach der Absage der beiden deutschen Topläuferinnen Agatha Strausa und Hanna Klein auf sich gestellt. Die Polin stellte sich dieser besonderen Herausforderung, lief eine gleichmäßige Pace und siegte konkurrenzlos in 9:09,72 Minuten.

Im Männerfeld setzte sich Marcel Fehr (SG Schorndorf) in 8:04,69 Minuten gegen Stefan Hettich (SG Gomaringen) durch, der auf der „Überdistanz“ in 8:05,25 Minuten eine starke Performance zeigte. Sein Fokus in der Bahnsaison liegt auf den 1500 Metern.

 

Georg Fleischhauer (Startnummer 88) bei seinem zweiten Lauf über 300 Meter Hürden. (Foto: mar)

Zeitgleich kamen die Topläufer der Männer über 300 Meter Hürden ins Ziel. Etwas überraschend setzte sich hier der Deutsche Juniorenmeister Joshua Abuaku (LAV Oberhausen) gegen den Vorjahressieger Georg Fleischhauer (LG Eintracht Frankfurt) durch – beide benötigten für die acht Hürden 36,6 Sekunden, auf dem Zielfoto aber war Abuaku knapp vor Fleischhauer. Im zweiten Lauf hatte Fleischhauer das klar bessere Finish – allerdings war seine Siegerzeit von 36,80 Sekunden etwas langsamer, sodass Abuaku der schnellste Läufer des Tages blieb.

Beflügelt von seinem Sieg startet er nun optimistisch in die Saison: „Für das erste Rennen war das mega gut. Mein Ziel ist es die 400 Meter Hürden dieses Jahr unter 51 Sekunden zu laufen. Mein Fokus liegt auf de U23-Europameisterschaft“. Die „krumme Distanz“ über 300 Meter Hürden sieht er als „willkommene Abwechslung“ an.

Zweitbeste Zeit der Meetinggeschichte für Fabienne Schlumpf über die Hindernisse

Fabienne Schlumpf lief über die Hindernisse zu einem Start-Ziel-Sieg. (Foto: mar)

Die Topathletin und klare Favoritin über 2000 Meter Hindernis war die Olympiafinalistin von Rio 2016, Fabienne Schlumpf. Die Schweizerin lief zu einem souveränen Start-Ziel-Sieg und erzielte mit 6:20,33 Minuten die zweitbeste Zeit, die jemals in Pliezhausen gelaufen wurde. Zweite wurde Jana Sussmann (LT Haspa Marathon Hamburg, 6:23,36 Minuten), die ebenfalls ein sehr couragiertes Temporennen zeigte. Den Meetingrekord hält weiterhin Gesa Felicitas Krause, die 2015 in 6:15,90 Minuten als einzige Läuferin in Pliezhausen noch schneller laufen konnte.

Bei den Männern setzte sich im „deutschen Duell“ Martin Grau (LG Höchstadt/Aisch) in 5:37,36 Minuten gegen Tim Stegemann (LAC Erfurt, 5:38, 30 Minuten) durch.

Lindy Ave pulverisiert zwei Meetingrekorde

Den ersten Meetingrekord hatte es gleich in der ersten Stunde des Meetings gegeben: Lindy Ave (Deutschland) setzte sich im Lauf der Läuferinnen mit Handicap (Klassen T35-38) absolut souverän über 100 Meter in 13,49 Sekunden gegen ihre Nationalmannschaftskollegin Vanessa Braun (14,46 Sekunden) durch. Der bisherige von ihr gelaufene Meetingrekord stand bei 13,75 Sekunden. Dritte wurde die Britin Katrina Hart (14,78 Sekunden).

Auch über 200 Meter pulverisierte Lindy Ave den alten Meetingrekord und siegte überlegen in 28,14 Sekunden vor Katrina Hart (30,55 Sekunden) und Vanessa Braun (30,66 Sekunden). Den bisherigen Rekord hielt Katrina Hart mit einer Zeit von 30,50 Sekunden. Damit hat Lindy Ave auch ihre dritte WM-Norm erfüllt. Somit vertritt sie die deutschen Farben bei den Weltmeisterschaften über 100 Meter, 200 Meter und im Weitsprung. Sie freute sich besonders über die Anfeuerung an der Bande und die gute Stimmung im Stadion.

Gute Performance von Lokalmatadorin Jackie Baumann

Rang drei über die Hürden und dennoch zufrieden: Lokalmatadorin Jackie Baumann (links). (Foto: mar)

Mit Spannung wurde der Auftritt von Lokalmatadorin Jackie Baumann über 300 Meter Hürden erwartet. Die amtierende Deutsche Meisterin über 400 Meter Hürden hatte mit der Schweizerin Lea Sprunger (Bronze bei den Europameisterschaften 2016 über 400 Meter Hürden) und Vize- Europameisterin Joanna Linkiewicz zwei europäische Topläuferinnen als Gegnerinnen. In einem packenden Finish setzte sich die Polin in 39,8 Sekunden gegen Sprunger (40,1 Sekunden) durch. Der einsetzende Regen verhinderte eine schnellere Siegerzeit. Jackie Baumann war mit ihrer Performance als Dritte (40,6 Sekunden) dennoch zufrieden: „Ich habe einen guten Rhythmus über die Hürden gefunden ohne großen Geschwindigkeitsverlust. Leider hat der Regen eine bessere Zeit zum Saisoneinstieg nicht möglich gemacht. Nun ist es das Ziel in diesem Rhythmus auch über die zehn Hürden zu kommen“. Bei den U23-Europameisterschaften will Baumann über 400 Meter Hürden ins Finale kommen. Auch die Norm für die Weltmeisterschaften in London von 56,00 Sekunden ist bei ihrer Bestleistung von 56,19 Sekunden nicht unmöglich.

Über 150 Meter absolvierte Jackie Baumann einen Schnelligkeitstest und konnte sich hier mit den besten deutschen Juniorinnen messen. Hinter der Siegerin und frisch gebackenen Staffel-Weltmeisterin Alexandra Burghardt (Frauen, MTG Mannheim, 17,26 Sekunden) war sie mit ihrer Zeit von 17,56 Sekunden schneller als die U20-Stafffelläuferinnen des DLV Jennifer Montag (Dritte in 17,78 Sekunden) und Wiebke Griephan (17,95 Sekunden).


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