Richard Ringer und Timo Benitz sprinten zum Sieg, Hindernis-Frauen mit vielversprechendem Einstand


Zwar ohne neuen Meeting-Rekord, dafür mit vielen vorzüglichen Leistungen ging die 28. Auflage des Internationalen Läufermeeting zu Ende. 
Vor allem die DLV-Topathleten überzeugten: Richard Ringer zeigte sich beim Sieg mit seinem Tempotest vor dem 10.000-Meter-Europacup zufrieden, über die 1.000 Meter konnte Christina Hering genauso Stehvermögen beweisen wie Timo Benitz, der seinen Vorjahreserfolg wiederholte. Über die Hindernis feierte Ex-Europameisterin Antje Möldner-Schmidt ein gelungenes Comeback, war aber hinter Debütantin Elena Burkard nur zweitbeste Deutsche.

3.000 Meter-Duell der aktuell besten deutschen Langstreckler

Sieger und Zweiter des 3.000 Meter Laufs: Richard Ringer (links) und Amanal Petros. (Foto: mar)

Ein spannendes Duell der aktuell besten beiden Langstreckler in Deutschland gab es als Leckerbissen für die Zuschauer über 3.000 Meter. Bis zur Schlussrunde konnte Amanal Petros vom SV Brackwede, der sich über 10.000 Meter bereits für die EM in Berlin qualifiziert hat, das Tempo von Richard Ringer (VfB LC Friedrichshafen) mitgehen. Dann zeigte der EM-Dritte von 2015 und amtierende deutsche Hallenmeister seine Klasse und zog auf der Schlussrunde davon. Ringer siegte in 7:55,20 Minuten vor Petros (8:03,33 min) und blieb wie angestrebt unter der 8-Minuten-Marke. Er hat nach dieser starken Performance nun gute Chancen sich beim Europacup am kommenden Wochenende in London über 10.000 Meter für die EM in Berlin zu qualifizieren (Norm 28:55 min). 

2.000 Meter Hindernis der Frauen: Eine Top-Zeit, ein gelungenes Comeback und ein überzeugendes Hindernisdebüt

Die Französin Ophelie Claude-Boxberger lief nur knapp am Meeting-Rekord vorbei. Dahinter glänzten Rückkehrerin Antje Möldner-Schmidt (links, Nr. 8) und Debütantin Elena Burkard (rechts, Nr. 414) (Fotos: mar/wdr)

Die drittbeste jemals in Pliezhausen gelaufene Zeit überhaupt: 6:16,60 Minuten lief die Französin Ophélie Claude-Boxberger bei ihrem Sieg über die 2.000 Meter Hindernis. Lediglich Gesa Felicitas Krause (6:15,52 Minuten) und Antje Möldner-Schmidt (LC Cottbus) waren schon schneller in Pliezhausen unterwegs. Letztere gab nach einer Babypause als Dritte dieses Rennens in 6:27,25 Minuten. Schneller als die Ex-Europameisterin war eine Lokalmatadorin: Elena Burkard (LG farbtex Nordschwarzwald), die in Tübingen lebt und trainiert, lief in ihrem ersten Hindernisrennen überhaupt 6:20,82 Minuten. Damit hat die Fünfte der Cross-EM 2017, die im Frühjahr deutsche Crossmeisterin wurde, eine starke Performance gezeigt und will nun über 3.000 Meter Hindernis in Rehlingen „schauen was da möglich ist. Ich freue mich am meisten, dass ich gut über den Wassergraben gekommen bin. Ich war sehr nervös, aber es hat viel Spaß gemacht. Ich habe mit so einer Zeit nicht gerechnet“, sprudelte es aus der bescheidenen, aber willensstarken und mutigen Läuferin aus dem Nordschwarzwald nur so heraus.

Christina Hering rettet die Führung knapp ins Ziel. (Foto: mar)

Spannende Duelle über 1.000 Meter: Christina Hering und Timo Benitz setzen sich durch

Die Siegerin über 1.000 Meter, Christina Hering (LG Stadtwerke München), musste kämpfen. Bisher war sie in Pliezhausen bekannt als mehrfache Siegerin über 600 Meter. Nach einem schnellen Beginn blieben Hering, ihre Vereinskameradin Katharina Trost und Vorjahressiegerin Charline Mathias aus Luxemburg bis zur Schlussrunde dicht beisammen. Auf den letzten 200 Metern setzte dann Hering den Angriff, musste jedoch auf Zielgeraden ordentlich fighten. Am Ende lag Hering (2:39,85 min) knapp vor Charline Mathias (2:40,09 min) und Katharina Trost (2:40,80 min).

Eingangs der Zielgeraden eng zusammen: Timo Benitz (Mitte) lässt Christoph Kessler (rechts) und Marcel Fehr (links) hinter sich. (Foto: mar)

Mit seinem unnachahmlichen Spurt auf der Zielgeraden entscheidet Timo Benitz (LG farbtex Nordschwarzwald) das 1.000 Meter-Rennen für sich und wiederholt damit seinen Vorjahressieg in 2:21,62 Minuten. "Ich wollte den Jungs zeigen: Es ist nicht so leicht, gegen mich zu gewinnen", sagte der 26-Jährige. Mit den "Jungs" waren Christoph Kessler (LG Region Karlsruhe, 2:21,84 min) und Marcel Fehr (SG Schorndorf, 2:22,15 min) gemeint, die dem Deutschen Meister über 1.500 Meter nach langsamem Rennbeginn lediglich am Ende noch etwas zuzusetzen versuchten. "Die EM-Norm mit 3:38 Minuten sollte ich überall laufen können, da mache ich mir keine Gedanken", kündigt er vollmundig an. 

DLV-Juniorinnen unterbieten Staffel-WM-Norm deutlich

45,70 Sekunden lautet die DLV-Norm der Altersklasse U20 für die 4x100-Meter-Staffel für die U20-WM in Finnland. Die U20-Sprinterinnen hatten sich mehrere Tage in einem Trainingslager im Schönbuch-Stadion in Pliezhausen mit Bundestrainer Alex Seeger (Gomaringen) auf ihren Qualifikations-Wettkampf beim Läufermeeting vorbereitet. Und zeigten sich gleich im ersten Zeitlauf hellwach. Mit 44,77 Sekunden unterbot das erste DLV-Team mit Vicktoria Dönicke, Katrin Grenda, Sophia Junk und Lara Hümke die Norm mehr als deutlich. Im zweiten Zeitlauf gab es mit 44,71 Sekunden nochmals eine kleine Verbesserung. Die zweite DLV-Staffel (Lilly Kaden, Beauty Somuah, Antonia Dellert, Skadi Schier) blieb mit 45,66 Sekunden sogar ebenfalls noch unter der Norm. 

Top-Siebenkämpferin Carolin Schäfer testet über 150 Meter ihre Sprintqualitäten

Carolin Schäfer (Mitte) mit letztem Sprinttest vor dem Mehrkampf in Götzis. (Foto: mar)

Sie war Silbermedaillengewinnerin im Siebenkampf bei der WM 2017 in London. Olympia-Fünfte 2016 in Rio. Bei ihrem Sprinttest in Pliezhausen wurde Carolin Schäfer (LG Eintracht Frankfurt) in 17,74 Sekunden Dritte über 150 Meter. Siegerin des Wettbewerbes wurde Marcela Pirkova (Tschechien) in 17,29 Sekunden. „Ich brauchte vor Götzis (Mehrkampf-Meeting)“ noch eine schnelle krumme Strecke und die Atmosphäre bei diesem Meeting ist toll“, lobte die Vize-Weltmeisterin den Veranstalter. Bei den Männern setzte sich der amtierende Deutsche Hallenmeister Steven Müller (LG ovag Friedberg-Fauerbach) in 15,46 Sekunden durch und sich damit auf Platz fünf in der ewigen Pliezhäuser Bestenliste.

Niederländer Tony van Diepen wiederholt seinen 600-Meter-Sieg

Die 600 Meter bei Frauen und Männern mit Siegern aus Tschechien und den Niederlanden. (Foto: wdr)

Der Sieger des Jahres 2017 wollte auch 2018 gewinnen. Couragiert ging der Niederländer Tony van Diepen das A-Finale über 600 Meter an und siegte im Schlussspurt deutlich in 1:16,09 Minuten klar vor Philipp Snejdr (Tschechien, 1:16,38 min) und dem Gambier Omar Jammeh (1:17,69 min, startet für die MTG Mannheim). Die Siegerin der Damen setzte sich auf den letzten 200 Metern durch. Die Tschechin Iveta Putalova siegte in 1:28,30 Minuten vor der Niederländerin Danaid Prinsen (1:29,15 min) und Hürdenläuferin Djamila Böhm (ART Düsseldorf, 1:30,39 min), die sich nach ihrem Hürden-Sieg noch einem Härtetest unterzog.

300 Meter Hürden: Djamila Böhm siegt souverän, Luke Campbell setzt sich bei den Männern durch

Einen flüssigen ersten Lauf und einen klaren Start-Ziel-Sieg zeigte die amtierende Deutsche Meisterin Djamila Böhm (ART Düsseldorf) über die „krummen" 300 Meter Hürden in 40,2 Sekunden. Bei den Männern war das Feld über 300 Meter Hürden stark besetzt. Der Pole Patryk Dobek (Junioren-Europameister 2015), der Deutsche Juniorenmeister Joshua Abuaku und der Deutsch-Amerikaner Luke Campbell (LG Eintracht Frankfurt) als amtierender Deutscher Meister gingen das Rennen allesamt offensiv an. In der Kurve setzte sich Campbell in guten 36,1 Sekunden klar gegen Patryk Dobek (36,3 sek) und seine nationalen Konkurrenten klar durch. Über die 300 Meter zeigten die Sieger bei den Männern wie Frauen einen souveränen Start-Ziel Sieg. Bei den Frauen war es die Polin Patrycja Wyciszkiewicz (37,66 sek), bei den Männern der deutsche Hallenmeister über 200 Meter Steven Müller (LG ovag Friedberg-Fauerbach, 33,91 sek). 

Duell der besten deutschen Sprinterinnen mit Handicap – auch sie wollen nach Berlin zur EM

Seit einigen Jahren regelmäßige Gäste im Schönbuchstadion: die paralympischen Athleten. (Foto: mar)

Die Wettbewerbe begannen mit dem 100-Meter-Sprint der besten Sprinterinnen mit Handicap der Schadensklassen T35 bis T38. Diese Damen sind durch frühkindliche Hirnschädigungen beeinträchtigt. Auch für sie steht im August die EM in Berlin an (20.-26.08.). Das Läufermeeting ist als offizieller Nominierungswettkampf ausgeschrieben. Die beiden aktuell besten deutsche Sprinterinnen Vanessa Braun und Annika Memmer duellierten sich bis sich Vanessa Braun auf den letzten 30 Metern in 14,38 Sekunden gegen Annika Memmer (14,76 sek) durchsetzte. Beide gehören dem Natio-Team Athletik/NPC Germany an. Dritte wurde Katrina Hart aus Großbritannien (15,29 sek). Als Nominierungswettkampf standen für alle Sprinterinnen anschließend noch die 200 Meter auf dem Programm. Hier siegte Vanessa Braun in 30,05 Sekunden vor Katrina Hart (30,78 sek) und Annika Memmer (31,15 sek).